Appell für mehr Eigenverantwortung

Frankfurter Neue Presse, 08.01.2007 (Jessica Donath)

Das Dreikönigstreffen der Langener FDP stand im vergangenen Jahr ganz im Zeichen der Kommunalwahlen. Dieses Mal konnte der im April 2006 neu gewählte Vorstand mit 6,4 Prozent das beste Wahlergebnis der FDP seit 1952 feiern. Dementsprechend gelöst wollte Günther Krumm, stellvertretender Ortsvorsitzender und ehrenamtlicher Stadtrat, die Gäste wie seit 18 Jahren beim Dreikönigstreffen willkommen heißen. Da er erkrankte, wurde seine Rede im Steigenberger Hotel, seit zehn Jahren Tagungsort der FDP, von Rolf Diefenthäler, stellvertretender Vorsitzender, vorgelesen. Besonders herzlich wurden der Erste Stadtrat Klaus-Dieter Schneider (parteilos) und SPD-Bürgermeisterkandidat Frieder Gebhardt (SPD) begrüßt. Er nahm gemeinsam mit dem SPD-Vorsitzenden Frank Gottschling an der Veranstaltung teil.

Diefenthäler oblag es dann auch stellvertretend für Günther Krumm, den etwa 50 anwesenden Gästen die Botschaft zu überbringen, dass sich der auch als „graue Eminenz der Partei“ bekannte Stadtrat aus Altersgründen schrittweise aus der Kommunalpolitik zurückziehen werde. Diese Nachricht wurde mit Bedauern, aber auch Verständnis aufgenommen. Besonders harmonisch wurde es, als der Erste Stadtrat das Wort ergriff. Er erinnerte an die Haushaltsdebatte vom 14. Dezember: „Zum ersten Mal seit ich mich erinnern kann wurde der Haushalt einstimmig verabschiedet.“ Dies habe vielleicht auch etwas mit dem „Leitbild Langen“ zu tun, das der Magistrat und die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Ende der 90er Jahre verabschiedet hätten. „Es weiß zwar bestimmt keiner mehr, was da drin steht, aber es hat etwas in den Köpfen bewirkt“, ist sich der Stadtrat sicher. Weniger harmonisch war die Rede vom FDP-Kreisvorsitzende René Rock. Er trat in seinem Grußwort für ein frühes Ende der großen Koalition in Berlin ein.

Danach sprachen der Fraktionsvorsitzende Dieter Bahr und Rolf Diefenthäler, Mitglied im Ausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr über die Ereignisse des vergangenen Jahres und zukünftige Herausforderungen. Etwas bewegen wollen vor allem auch die jungen Vorstandsmitglieder Mathias Rhiel und Alek Dumanovic. Student Rhiel ist einer von zwei neuen Mitgliedern der FDP-Fraktion. Er ist zuständig für Soziales. Deshalb startete er seine Ausführungen mit einem Überblick der Herausforderungen, vor denen der Einzelne, aber auch eine Stadt wie Langen, stehen. Dies sind eine niedrige Geburtenrate, Kindererziehung, das Bildungssystem, Ausbildungs- und Arbeitsplätze und eine alternde Gesellschaft. „Diese Themen betreffen unser aller Zukunft“, begründete Rhiel das Engagement junger Politiker auf sozialem Gebiet. Auch wenn Langen verglichen mit anderen Städten gut da stehe, müsse es sich weiterhin an langfristige gesellschaftliche Veränderungen anpassen. Geschehen sei dies schon mit dem Bambini-Programm, das jüngst auf den Weg gebracht wurde. Das von der hessischen Landesregierung auch finanziell unterstütze Projekt fördert die Betreuung von Kita-Kindern. Wichtige Aufgaben in diesem Jahr seien die Schaffung einer barrierefreien Innenstadt und die Entwicklung altersgerechter Wohnmodelle.

Alek Dumanovic unternahm den Versuch, den anwesenden Parteimitgliedern und Sympathisanten die Politikverdrossenheit der Jugend zu erklären. „Meiner Ansicht nach rührt diese Verdrossenheit daher, wie sich immer mehr Politiker in der jüngsten Zeit auf Bundesebene verhalten“, sagte der Schüler der zwölften Klasse des Dreieich Gymnasiums. In seinem Leistungskurs Politik und Wirtschaft seien viele Mitschüler schon vom Wahlkampf frustriert gewesen. Wenn sie dann auch noch Dinge hörten wie die Äußerungen Franz Münteferings (SPD), dass Politiker sich nicht an Wahlversprechen messen lassen sollten, gingen viele eben gar nicht mehr zur Wahl.

Mehrwertsteuererhöhung und horrende Pensionsansprüche verstärkten diesen negativen Eindruck der Jugend. Die Lösung: „Gerade jetzt sollten junge Menschen beginnen, sich politisch zu engagieren, um ihrer Vorstellung von Politik Gehör zu verschaffen und um es besser zu machen“, folgerte Dumanovic. Wenn er sich die Idealvorstellungen junger Leute von Politik anschaue, stimmten diese mit denen der FDP überein. „Kein Jugendlicher will von irgendeiner Instanz, zum Beispiel dem Staat, bevormundet werden. Eigenverantwortung steht hoch im Kurs“, meinte der Langener Jungpolitiker.

Damit sprach er Jens Becker, dem jüngsten FDP-Ortsvorsitzenden im Kreis, aus der Seele. Er schloss den Reigen der Redner mit einem Appell für politisches und bürgerschaftliches Engagement. Weder die Demokratie noch die Politik seien perfekt, aber der Einsatz lohne sich. „Ich habe die Möglichkeit, Einfluss auf die Geschehnisse zu nehmen und Entwicklungen zu steuern“, sagte der Ortsvorsitzende.

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