LANGEN. Wir schreiben das Jahr 1965: Ludwig Erhard war Bundeskanzler, Heinrich Lübke Bundespräsident, und in Langen trat am 1. November ein 22-jähriger Student der FDP bei. Sein Name: Dieter Bahr. Und wohl kaum einer der damals im Ortsverband der Freidemokraten Verantwortlichen dürfte im Jahr, als die "Scorpions" gegründet wurden und Artur Fischer das Konstruktions-Baukastensystem "Fischertechnik" erfand, geahnt haben, welch prägenden Einfluss dieser junge Mann für die weitere Entwicklung der Langener Liberalen haben würde.

Heute weiß man es. Dieter Bahr war über Jahrzehnte hinweg Gesicht und Stimme der FDP und hat sich über politische Grenzen hinweg hohe Wertschätzung erarbeitet. Kein Wunder also, dass der gebürtige Breslauer vor Kurzem von seinen Parteifreunden aus Anlass seiner 50-jährigen Mitgliedschaft bei den Blau-Gelben gebührend geehrt wurde.

In seiner Laudatio erinnerte Rolf Diefenthäler daran, dass Bahr "nie ein Freund der langen Vorreden war" und deshalb schon kurz nach seinem Eintritt in die FDP Ämter im Vorstand übernahm sowie in Kreis- und Landesgremien mitarbeitete. Am 1. September 1969 zog Bahr als Nachrücker ins Stadtparlament ein, und nur ein Jahr später wurde er Fraktionsvorsitzender.

Bis 1989 gehörte der gelernte Mathematiker ununterbrochen der lokalen Volksvertretung an, dann "gönnten" die Wähler ihm (und der FDP) eine Erholungspause. Auch 1997 scheiterten die Langener Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde, doch dazwischen und danach war ihr Frontmann nicht nur im Stadtparlament ein gern gehörter Gast am Rednerpult, sondern er tummelte sich auch in unzähligen Ausschüssen, Kommissionen, Aufsichtsräten und Versammlungen.

Insgesamt absolvierte Dieter Bahr 35 Jahre Parlamentsarbeit, und nicht allein nach Meinung von Rolf Diefenthäler "lässt sich nur schwer erfassen, wie viel ehrenamtliche Arbeit, entbehrte Freizeit, Fingerspitzengefühl, Frustration und Enttäuschungen, aber auch Genugtuung, Freude und Chancen" damit verbunden sind. Was natürlich auch für seine Funktionen als Ortsvorsitzender, Pressesprecher und Schriftführer galt. Klar ist aber, so Laudator Diefenthäler: "Dieter Bahr war sich für nichts zu schade."

Kein Wunder also, dass das kommunalpolitische Urgestein, dessen Haushaltsreden stets zu den Höhepunkten der Etat-Beratungen zählten, im Laufe der Jahre diverse Würdigungen erfahren hat. So wurde Bahr, der 1990 die sogenannte "Langener Begegnung" mit den Parteifreunden aus dem brandenburgischen Langen aus der Taufe gehoben hatte und 2012 sein Mandat im Stadtparlament niederlegte, um Jüngeren Platz zu machen, unter anderem der Ehrenbrief des Landes Hessen und der Bundesverdienstorden verliehen. Überdies "hamsterte" er auch zahlreiche Ehrungen von "seiner" FDP.

Kurz und gut: Der "ehrenamtliche Vollblutpolitiker" - so wurde Dieter Bahr 1990 vom damaligen FDP-Bundesvorsitzenden Otto Graf Lambsdorf anlässlich seiner 25-jährigen Mitgliedschaft bei den Freidemokraten tituliert - hat Maßstäbe gesetzt und Spuren hinterlassen. Und bei der Langener FDP ist man laut ihrem Vorsitzenden Diefenthäler sehr froh darüber, dass der 72-jährige Jubilar nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht. (hs)

aus der Dreieich-Zeitung vom 29.12.15