Die Langener FDP schwört sich auf kommunalpolitisch harte Zeiten ein

Von Leo F. Postl

LANGEN • Auch wenn die FDP im Bundestag nicht mehr mitmischt, werden immer wieder Stimmen laut, dass der politi­schen Landschaft in Deutsch­land eine stabile liberale Kraft gut täte. Beim Dreikönigstref­fen erörterte die Langener FDP, welchen Beitrag sie dazu leisten kann.

Sowohl was die Mitglieder­zahl als auch ihre Präsenz im Stadtparlament betrifft, steht die FDP in Langen noch ver­hältnismäßig gut da. Mit Al­fred Clouth präsentierte sie im gut besuchten Steigenber­ger-Hotel zwar einen parteilo­sen Gastredner. Der sprach den Liberalen, was die Konso­lidierung der Finanzen und die Standortentwicklung an­geht, jedoch aus der Seele.

Den Fokus auf Langen legte allen voran Ortsverbandsvor­sitzender Rolf Diefenthäler, der im Vorjahr an selber Stelle einen Wunschzettel vorge­stellt hatte, auf dem sich seit­her kein einziger Punkt abha­ken ließ. „Es wird uns derzeit viel zugemutet in Langen - wobei ich nicht die Biotonne meine.“ Er bedauere viel mehr die bröckelnde Diskussi­onskultur im Parlament: „Da wird alles mit einer hauch­dünnen Mehrheit durchge­wunken, so dass man das Gefühl hat, es handele sich geradezu um eine Protestak­tion gegen die Opposition“, hadert der FDP-Chef. „Wir würden uns ja sogar von hö­heren Abgaben überzeugen lassen, wenn verantwortungs­voll damit umgegangen wür­de. Das ist in Langen aber nicht der Fall.“ Auch wenn noch harte Zeiten bevorstünden, schloss Diefenthäler sei­ne Rede, wolle man jedoch nicht Jammern, sondern mit Freuden tun, was möglich sei.

Alfred Clouth, der in Offenbach das gleichnamige Famili­enunternehmen in dritter Ge­neration führt, wandte sich auch stadtübergreifenden Themen zu: Er mahnte etwa, bei der Zuwanderung den Fo­kus auf qualifizierte Einwan­derer zu. legen, um den Fach­kräftemangel auszugleichen. Zudem sei es nötig, dass sich die Kommu­nen mehr um die Entwick­lung ihres Wirtschafts­standortes kümmerten. „Dazu müssen Finanzmittel locker gewacht werden“, so der Unterneh­mer. Und zwar nicht nur durch die einseitige Anhe­bung der Gewerbe ­und Grundsteuer. „Denn die Erhö­hung der Gewerbesteuer be­lastet Unternehmen, die dann schon mal kalkulieren, ob es sinnvoll ist, den Standort zu wechseln — notfalls auch ins Ausland.“ Wichtig für einen Wirtschaftsstandort sei

schließlich die Infrastruktur, so Clouth. „Wenn man immer mehr Straßen sperrt oder die­se nicht ausbaut, dann ist das wie beim Menschen: Es droht der Infarkt“, ließ der Unter­nehmer Kritik an den zwei­spurigen Ausbauplänen für die B486 laut werden.

Die CDU im Landtag sei nicht wiederzuerkennen

Das Grußwort von René Rock fiel umfangreich aus. Der FDP-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete sprach von einer „unglaublichen Ver­änderung“ von Personen, ja der ganzen CDU-Partei, mit der er in Wiesbaden in der zu­rückliegenden Legislaturperi­ode regiert habe. Schwarz-­Grün im Hessischen Landtag sei ein „Feldversuch ohne ab­sehbaren Ausgang für die Wirtschaftskraft der Region“. Mit Frank Kaufmann, so Rock weiter, habe man den größten Gegner des Flughafenausbaus in dessen Aufsichtsrat beru­fen, was einer drohenden Läh­mung gleichkomme - „mit unkalkulierbaren Risiken für die ganze Wirtschaftsregion“. Anerkennung attestierte er hingegen jenen Menschen, die sich um das Wohl der eintref­fenden Flüchtlinge kümmer­ten. „Wir brauchen Zuwande­rung und es ist nicht einzuse­hen, warum diese Leute nicht gleich arbeiten dürfen.“

Einen Tipp in puncto Wie­derbelebung der FDP hatte schließlich Hoteldirektor Vol­ker Köhler als langjähriger Gastgeber des FDP-Dreikönigstreffens parat: „Ich kann ihnen nur sagen, eine Ände­rung von Logo oder Farbe bringt  nichts.“ Nachhaltiger Erfolg stelle sich nur durch ei­nen langfristigen Wandlungs­prozess ein.

Langener Zeitung vom 08.01.2015