Langen - Der innenstädtische Einkaufsbereich wird weiter in die Liebigstraße ausgedehnt. Mit großer Mehrheit billigten die Stadtverordneten die Pläne der Verwaltung, auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände ein Quartierszentrum für Einzelhandel und Dienstleister einzurichten.

Nur die FDP stemmte sich energisch dagegen. Die Liberalen waren es auch, die über die bereits erfolgten Beratungen in den Fachausschüssen weiteren Gesprächsbedarf anmeldeten. Eigentlich sollte über die entsprechenden Vorlagen ohne Debatte abgestimmt werden, doch die FDP beantragte eine erneute Diskussion. Offiziell ging es dabei um die „Fortschreibung Einzelhandels-/Zentrenkonzept“ und um „Stadtumbau in Langen, hier: Zustimmung zum Integrierten Handlungskonzept Teilraum Westliche Stadtmitte“. In dem ersten Punkt ist festgeschrieben, dass in dem Bereich nördlich des Bahnhofs überhaupt Geschäfte angesiedelt werden können. Das Handlungskonzept umfasst die Neugestaltung von unterer Bahnstraße (westlich Kaufhaus Braun), Keßlerplatz und Friedrichstraße, die Aufwertung des Europaplatzes (Bahnhofsvorplatz) sowie eben die Schaffung des Quartierszentrums neben dem Alpha-Hochhaus.

Und genau dieses lehnt die FDP konsequent ab: Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept sei ursprünglich erstellt worden, um den Einzelhandel zu schützen, betonte Rolf Diefenthäler. Das Ziel sei klar definiert gewesen: „Kein ausuferndes Wachstum am Stadtrand“. Und genau das solle jetzt aufgegeben werden. „Das Gewerbe und der Einzelhandel sollten eigentlich unterstützt werden“, sagte Diefenthäler und prophezeite: „Es wird zu erheblichen Einbußen bei Geschäften in Bahnstraße, Wasser- und Fahrgasse kommen.“ Für ihn ist klar: Innenstadt- müsse vor Randentwicklung gehen.

„Der Bereich zwischen dem Kaufhaus Braun und dem neuen Quartierszentrum ist Innenstadt“, hielt Jörg Nörtemann (CDU) entgegen. Im jetzigen Innenstadt-Einkaufsbereich sei es nicht möglich, neue Läden anzusiedeln: „Wenn wir in der Bahnstraße und der Wassergasse nicht die passenden Ladenlokale für die heutigen Bedürfnisse haben, können wir uns dort nicht entwickeln.“ „Alles, was die Leute dazu bewegt, in Langen einzukaufen, hilft“, erklärte Jens Duffner (Grüne). „Wir sollten jetzt nicht die einen gegen die anderen ausspielen, sondern schauen, dass sich überhaupt was bewegt.“ Einen kleinen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen: „Sie können dem Gewerbe in der Bahnstraße vorsetzen, was sie wollen, die sind immer erst mal dagegen.“

Auch für die SPD ist der Fall klar: „Die Fachleute sagen, dass die Pläne eine positive Auswirkung auf den Einzelhandel haben wird“, erklärte Rainer Bicknase. Bei einer Enthaltung aus Reihen der FWG-NEV wurden beide Vorlagen schließlich gegen die Stimmen der FDP beschlossen. Das neue Einkaufs- und Dienstleistungszentrum auf dem ehemaligen Stadtwerke-Areal soll nicht zu einer Shopping-Mall werden, sondern als öffentlicher Quartiersplatz entwickelt werden. Nördlich soll sich dann in den kommenden Jahren das neue Mega-Wohngebiet bis zur Nordumgehung und weiter zur Hans-Kreiling-Allee entwickeln.

Von Markus Schaible
Langener Zeitung, vom 11.12.2013