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„Flüchtlinge  - wir informieren“. Unter diesem Motto stand der Treffpunkt Liberal der Langener FDP am 18. April im Steigenberger Hotel.  „Überall wird von Flüchtlingen berichtet. Man hört viel, weiß aber viel zu wenig“, traf der Moderator Mathias Rhiel den Nerv vieler Besucher.  Mit der Veranstaltung wollten die Langener Liberalen interessierten Besuchern die Möglichkeit geben sich zu informieren und miteinander zu diskutieren.

Hierzu hatte der Ortsverband mit Herrn Wolfgang Greilich und seiner Ehefrau Annette zwei Referenten eingeladen. Herr Greilich (Landtagsabgeordneter der Liberalen und Vizepräsident des hessischen Landtags) beschäftigt das Thema schon seit Jahren. Seine Frau Anette Greilich betreut als Leiterin einer Gießener Schule, Flüchtlinge im Spracherwerb und beruflicher Integration.

Den ersten Beitrag lieferte Vorstandsmitglied und Co-Moderatorin Ingeborg Heimberg. Seit einem halben Jahr unterrichtet sie ehrenamtlich zwei Mal wöchentlich Deutsch einer Gruppe von Flüchtlingen. Hierfür hat ihr die Freie Evangelische Gemeinde Räume zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde hat außerdem eine Kleiderkammer ins Leben gerufen, die laut Heimberg „stark angenommen und hochfrequentiert“ wird.  Ingeborg Heimberg ist Mitglied des Fachausschusses „Schule und Weiterbildung“ der FDP Hessen, dem auch das Ehepaar Greilich angehört.

Wolfgang Greilich nannte in seinem Beitrag zunächst einige Zahlen, um die Dimension des Flüchtlingsstroms deutlich zu machen. Demnach habe sich die Anzahl der Asylanträge ausgehend von 44.000 im Jahr 2011 zu 238.000 in 2014 jedes Jahr mehr als verdoppelt. Alleine im Januar und Februar seien ca. 71.000 Asylanträge in Deutschland zu verzeichnen gewesen, wonach laut Greilich 5.176 auf das Land Hessen entfielen. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Eritrea, Äthiopien, dem Sudan und Afghanistan. Rund die Hälfte kommt aus den Balkanländern, bei denen zum Großteil kein Asylanspruch bestünde. Wolfgang Greilich verwies darauf, dass die Flüchtlinge nicht nur Leistungen empfangen, sondern leben und arbeiten wollen. Durch die strikte Trennung von Asylstatus und regulärer Einwanderung bliebe ihnen jedoch der Zutritt zum Arbeitsmarkt verwehrt. „Wir haben alleine aus demografischen Gründen einen Nettozuwanderungsbedarf von 200.000 Menschen pro Jahr. Wir sollten die Zuwanderung auch für uns als Chance sehen und das Potenzial der Flüchtlinge anerkennen und nutzen“, so Greilich. Kleine Erfolge auf gesetzlicher Ebene, wie die Abschaffung der Residenzpflicht zum 1. Januar 2015, habe es schon gegeben. Für Greilich ist es aber unverständlich, wie Flüchtlinge deutlich mehr als drei Monate auf die Bearbeitung ihres Antrags und damit auf die Anerkennung ihres Asylstatus warten müssten. Hier sieht er die Regierung in der Pflicht.

Annette Greilich bezog sich in ihrem Beitrag vor allem auf die unbegleiteten, minderjährigen Jugendlichen. Diese seien oft mehrere Jahre auf der Flucht, eine Zeit, in der sie keine Schulbildung erhalten. Die Jugendlichen werden auf hessischer Seite in Gießen und Frankfurt gesammelt und in ein sog. Clearingverfahren gebracht. Bis zum 18. Lebensjahr werden die Flüchtlinge auch in der von Frau Greilich geleiteten Schule unterrichtet. „Einige Jugendliche müssen wir sogar erst noch alphabetisieren“, weiß Greilich zu berichten. Trotzdem seien die jungen Flüchtlinge hoch motiviert, lernwillig und an handwerklichen Berufen interessiert. Greilich erwähnte lobend die handwerklichen Betriebe, die gern jugendliche Flüchtlinge ausbilden wollen.

Die Besucher sorgten mit ihren Wortmeldungen für eine rege Diskussion. Dabei wurde klar: es gibt von direkter ehrenamtlicher Arbeit bis hin zu Spenden jeglicher Art Vieles, um sich zu engagieren.

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v.l.n.r.: Mathias Rhiel, Ingeborg Heimberg, Annette Greilich, Wolfgang Greilich. Foto: Tobias Kruger

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