Ob arm oder reich, jung oder alt, Mann oder Frau: In der City sind die Bürger gleich

Frankfurter Neue Presse, 30.06.2008

Langen. Wie soll eine Innenstadt aussehen: Sie muss attraktiv sein, für jeden gut erreichbar, Platz zum Parken haben, Parks zum Ausruhen bieten, Shops und Unterhaltungsmöglichkeiten beherbergen und . . . und. . . und. . . Stadtplaner müssen sich einiges durch den Kopf gehen lassen, um ihre Citys attraktiv zu gestalten.

Dazu werden die Vorgaben des Gesetzgebers immer komplizierter. Eine EU-Norm schreibt vor, bei der Stadtgestaltung auch auf geschlechterspezifische Aspekte für Männer sowie Frauen und innerhalb der Geschlechter nochmals auf Gruppen wie Alte und Junge, junge Frauen oder Männer mit Kindern, Arm und Reich, Ausländer oder Behinderte zu achten. Das Ganze wird unter dem Begriff "Gender Mainstreaming" zusammengefasst, was auf gut Deutsch soviel heißt wie "geschlechtersensible und gleichstellungsorientierte Planung". Soll bedeuten: Eine Innenstadt soll für jeden Bürger da sein und niemanden ausschließen.

Mit diesen Vorgaben muss sich nun auch Stadtplaner Hajo Wystrach beim Projekt Stadtumbau in Langen auseinandersetzen. Mit Landesgeldern soll in Langen vor allem die Bahnstraße umgestaltet werden. Auf eine Anfrage der FDP zum Gender Mainstreaming beim Stadtumbau antwortet nun Wystrach, die Vorgaben seien bislang schon in vielfältiger Form berücksichtigt. Bereits bei der Datenerhebung zum Projekt, dessen Konzept bei der Landesregierung zur Bewilligung der Gelder eingereicht wurde, seien Erhebungen und Analysen nach Geschlechtern vorgenommen worden.

Ziel sei, die Stadtmitte mit der Geschäftszone Bahnstraße zu stärken, um eine "Stadt der kurzen Wege" zu schaffen. Dies sei vor allem für Ältere und Frauen wichtig. Außerdem soll die Aufenthalts- und Erlebnisqualität im öffentlichen Raum der City für alle Bürger erhöht werden. Grundstückseigentümer und Geschäftsleute sollen für das Thema sensibilisiert werden.

FDP-Fraktionsvorsitzender Dieter Bahr sagt: "Diese Antwort bestärkt uns in der Auffassung, dass dem Projekt Stadtumbau mit Anwendung der gleichstellungsorientierten Planung wesentliche Impulse zur Stärkung der Innenstadt gegeben werden können. Daher begrüßen wir es, dass bei allen Analysen, Konzepten und Entscheidungen die spezifischen Auswirkungen auf die Menschen in ihren jeweiligen sozialen Rollen beachtet und bewertet werden."

Unabhängig zum Programm Stadtumbau haben die Langener Stadtverordneten bereits beschlossen, die Innenstadt behindertengerecht zu gestalten. Für das Projekt barrierefreies Langen sollen für die nächsten drei Jahre je 50 000 Euro ausgegeben werden. So sollen Bordsteine abgesenkt werden, um Rollstuhlfahrern mehr Beweglichkeit zu ermöglichen. Im Alten Rathaus sollen ein Aufzug und eine schräge Zufahrt eingebaut werden, wodurch behinderte Menschen leicht hinein und auch leicht nach oben gelangen können.

von Manfred Wawra