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Wenig Interessen an Info-Forum „Seniorenwohnen“:
Dreieich-Zeitung, 23.08.2006

Langen (DZ/hs) – Nimmt man die Intensität der bisherigen Diskussionen als Maßstab, dann ist der Bau einer Altenwohnanlage in zentraler Lage Langens – neben der Gestaltung der oberen Bahnstraße – die zentrale Aufgabe für die Kommunalpolitik in der nächsten Zeit. Geht man indes von der Resonanz aus, die eine Info-Veranstaltung der örtlichen FDP zu diesem Thema zeitigte, dann ist es den Bürgern herzlich egal, ob ein derartiges Projekt nun auf dem alten SSG-Sportplatz oder auf dem Behelfsparkplatz westlich des Hallenbades realisiert wird. Denn nur elf (!) Leute waren am Sonntagmorgen der Einladung der Freidemokraten zum Info-Forum „Seniorenwohnen“ in den Studiosaal der Stadthalle gefolgt – und bei den meisten davon handelte es sich obendrein noch um FDP-Funktionsträger.
Gruppe wächst
Dabei geht das Thema „Wohnen im Alter“ wirklich jeden an. Schließlich gehört bereits heute jeder fünfte Deutsche der beständig wachsenden Gruppe der Senioren an, und im Jahr 2050 wird der Anteil der über 80-Jährigen rund zwölf Prozent betragen, wie der Fraktionsvorsitzende Dieter Bahr betonte. Deshalb sei es so wichtig, auf den Wandel der Bevölkerungsstruktur in angemessener Weise zu reagieren und unter anderem Wohnungen zu bauen, die auch im Alter noch ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und Mobilität gewährleisten. Ein Paradebeispiel für eine solche Immobilie findet sich laut Mathias Rhiel im baden-württembergischen Weikersheim. Das von einem Ehepaar in Eigen initiative (und auf eigene Kosten) im Zentrum des 7.300-Einwohner-Örtchens errichtete Gebäude – vor einiger Zeit Ziel einer Info-Tour der Langener Liberalen – verbindet nach Angaben des FDP-Stadtverordneten „individuelles Wohnen mit der Vision eines Seniorentreffpunktes“. Während der kleine Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Hauses von der Stadt angemietet wurde und als Seniorencafé sowie für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, hat sich im Parterre zudem noch ein Buchladen angesiedelt.
Diese beiden Einrichtungen bringen ebenso im wahrsten Sinn des Wortes „Leben in die Bude“ wie ein gemütlicher Innenhof, der sich gleichfalls als Veranstaltungsort für Kulturtermine bewährt und dadurch zum „Treffpunkt aller Generationen“ (Rhiel) gemausert hat. Und weil darüber hinaus auch Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und Apotheken in nächster Nähe zu finden seien, müssten die Bewohner nicht auf die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben verzichten, lobte der FDP-Mann das mit einem Preis der Kreditanstalt für Wiederaufbau ausgezeichnete Projekt. Rhiel hob in diesem Zusammenhang zudem hervor, dass die meis ten Senioren heutzutage „nicht in einer ruhigen, grünen Ortsrandlage wohnen, sondern mitten im Zentrum leben wollen“.
Ebenso wichtig sei für ältere Semester indes, „dass sich die Wohnung ihnen anpasst und nicht umgekehrt“. Und auch dies werde in Weikersheim verwirklicht. Das zurzeit von drei Parteien bewohnte, natürlich barrierefreie Haus sei so flexibel konzipiert, dass bis zu sechs kleine, aber „sehr transparente und lichtdurchflutete“ Wohnungen („Die gefühlte Quadratmeterzahl steigt dadurch enorm“) geschaffen werden könnten. Und weil statt einer spartanischen, zweckmäßigen Einrichtung – wie sie in Pflegeheimen Usus ist – großer Wert auf Komfort gelegt wurde (der Aufzug hält etwa direkt in den Wohnungen), beweist dieses Gebäude nach Meinung des Stadtverordneten, dass sich „altersgerecht“ und „modern“ nicht ausschließen müssen.
Bedarf steigt
Dass sich das Weikrsheimer Modell indes nicht 1:1 auf die Langener Verhältnisse übertragen lässt, wissen natürlich auch die hiesigen FDPler. Andererseits fühlen sie sich durch das rundum gelungene Projekt im Taubertal in ihrer Forderung „Senioren zurück ins Stadtzentrum“ bestätigt. Zumal der Bedarf an Wohneinrichtungen für alte Leute immer stärker ansteigt – im Jahr 2050 wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Langener Gesamtbevölkerung nach Schätzungen des Kreises Offenbach bei 27,3 Prozent liegen – und schon heute beim „Betreuten Wohnen“ wie bei den vollstationären Pflegeplätzen nach Angaben des Ortsvorsitzenden Jens Becker in der Sterzbachstadt eine eklatante Unterversorgung festzustellen ist.
Daher plädieren die Freidemokraten für den möglichst raschen Bau einer Seniorenwohnanlage inklusive „Betreutem Wohnen“ sowie Pflege- und Demenzabteilung. „Wir wollen weder ein reines Pflegeheim noch ein Abschieben der alten Menschen an den Stadtrand oder kommunale Subventionen, weil der Betrieb einer solchen Einrichtung keine städtische Aufgabe ist“, machte Becker klar. Positiv stehe man hingegen der Integration der „Haltestelle“ in ein derartiges Projekt gegen über, da auf diese Weise Synergieeffekte erzielt würden. Und weil selbige auch durch die Nähe zum „ZenJA“ gewährleistet wären, stellt der alte SSG-Sportplatz nach Meinung der FDP den idealen Standort für ein derartiges Projekt dar.

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